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Archive Bieler Tagblatt / Journal du Jura

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Hanni Schwab

Archäologin der Zweiten Juragewässerkorrektion.
 

Hanni Schwab wurde am 24. November 1922 als Tochter einer Bauernfamilie in Kerzers geboren. Nach der obligatorischen Schulzeit besuchte sie das Lehrerinnenseminar in Freiburg, später liess sie sich am Lehramt der Universität Bern zur Sekundarlehrerin ausbilden. Sie erlangte das Lehrpatent im Jahr 1954 und unterrichtete die nachfolgenden sechs Jahre. Zur selben Zeit absolvierte Hanni Schwab ein Studium der Archäologie an der Universität Bern, das sie 1962 abschloss.

Schwab interessierte sich stets für die archäologische Forschung in der Region ihrer Herkunft, ihre Dissertation trug denn auch den Titel «Jungsteinzeitliche Fundstellen im Kanton Freiburg». Zu jener Zeit war es für eine Frau allerdings noch alles andere als einfach, einen vorwiegend von Männern besetzten Beruf zu ergreifen. Tatsächlich war den Archäologinnen in der Schweiz der Zutritt zu Grabungen häufig verwehrt - mit dem Argument, das sei nichts für Frauen. Hanni Schwabs Laufbahn bezeugt, dass sie sich von derlei Vorurteilen und Hindernissen nicht abschrecken liess.

Im März 1962 wurde Hanni Schwab zur Archäologin der Zweiten Juragewässerkorrektion ernannt. 1973 erhielt sie an der Universität Freiburg einen Lehrauftrag, 1980 wurde sie zur Titularprofessorin ernannt. Von 1975 bis 1978 amtierte sie als erste Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft für Ur- und Frühgeschichtsforschung der Schweiz. An den in aller Welt stattfindenden Kongressen gelang es Hanni Schwab, zahlreiche Kontakte mit ausländischen Kolleginnen und Kollegen zu knüpfen.

Hanni Schwab leitete im Rahmen der Zweiten Juragewässerkorrektion den archäologischen Dienst im Kanton Freiburg. Die Aufgaben des Dienstes bestanden in der Ausgrabung, Konservierung und Dokumentation der Funde. Zudem wurde das Vorgefundene ausgewertet und in Publikationen sowohl einem wissenschaftlichen Publikum, als auch der breiten Bevölkerung zugänglich gemacht. Die Zweite Juragewässerkorrektion in den 60er-Jahren und der zeitgleiche, breit angelegte Bau von Autobahnen ermöglichten die archäologischen Ausgrabungen und deren Finanzierung in der Region.

Die Bauarbeiten und Erdaufschlüsse förderten Überraschendes zu Tage. Einer der bedeutendsten archäologischen Funde wurde am Murtensee gemacht: In Muntelier, wo 1860 schon Oberst Friedrich Schwab (nicht verwandt mit Hanni Schwab) eine Siedlung aus dem Neolithikum und der Bronzezeit entdeckte, wurde nun nach der Zweiten Juragewässerkorrektion erneut geforscht.

Unter der Leitung Hanni Schwabs wurden Überreste von Siedlungen ausgegraben, die davon zeugen, dass die Gegend rund 3840 Jahre v. Chr. von Menschen bewohnt war. Unter den fast sechstausend Jahre alten Fundgegenständen befanden sich zahlreiche Pfähle der für die damalige Zeit typischen Siedlungen, ausserdem Töpferwaren, sogar Speiseresten und Spindeln, die vermuten lassen, dass das Webhandwerk schon da bekannt war.

Hanni Schwab verstarb 2004.


AutorIn: Manuela Di Franco
 
 
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