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Archive Bieler Tagblatt / Journal du Jura

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Arbeiterkultur in der Schweiz in der Zwischenkriegszeit

Oberflächlich gesehen hatte der Landesstreik von 1918 den Graben zwischen Arbeiterbewegung und Bürgertum weiter vertieft. Im Verlauf der Zwanzigerjahre fand aber trotzdem ein gewisser Integrationsprozess ins bestehende Gesellschaftssystem statt.
 
Der Erste Mai in der Schweiz zu Beginn der Dreissigerjahre
Auf politischer Ebene errang die Linke in verschiedenen Städten die Mehrheit und konnte dadurch auf lokaler Ebene Verantwortung übernehmen. Auf gewerkschaftlicher Ebene kam es im gleichen Zeitraum zu einer Abnahme der Streiktätigkeit, und die Gewerkschaften gingen dazu über, ihre Mitglieder weniger durch Arbeitskämpfe als durch individuellen materiellen Nutzen an sich zu binden. Manche Vertreter der Arbeiterbewegung befürchteten, dass die Orientierung an einer sozialistischen Zukunft durch diese Entwicklung verloren gehe. Um dies zu verhindern, glaubten viele unter ihnen, müsse der Förderung der Arbeiterkultur mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Mit Arbeiterkultur zum Sozialismus?
Im Verlauf der Zwanzigerjahre kam es in vielen Städten zu einem Zusammenschluss der Arbeiterfreizeitvereine und des Bildungsausschusses zum „Kulturkartell“. Auf nationaler Ebene kam es 1929 zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft schweizerischer Arbeiter- Sport- und Kulturverbände (ASASK), einer Vereinigung, der nur die Arbeiterschützen fern blieben. Eine nähere organisatorische Bindung an die SPS blieb aber aus, obwohl bedeutende Aktivisten diesen Schritt befürworteten. Trotzdem blieb die Auffassung, die Arbeiterschaft sei erst durch entsprechende Bildungs- und Kulturarbeit für den Sozialismus zu gewinnen, verbreitet. Zu dem Kultursozialisten gehörte auch der später in Biel tätige Otto Kunz, der 1928 betonte, es brauche eine neue Gefühlskultur, und nur über das Gefühl könnten bisher unorganisierte Arbeiter für sozialistische Ideen gewonnen werden. Kunz forderte grosse, gemeinsame Aktionen der Arbeitersport- und –kulturvereine zur Vermittlung gesellschaftspolitischer Inhalte. Solche Kulturaktionen vermöchten «die Herzen und Hirne für Ideale zu entflammen, für deren Verwirklichung zu kämpfen auch unsere angeblich so undankbare und begeisterungslose Jugend sich erwärmen kann. Und was das Köstlichste an diesen Gemeinschaftsaufführungen ist: Hier werden in der Vorbereitung Sozialisten erzogen. Hier opfert sich der Einzelne dem Gemeinschaftsziel. (…)».

Hitlers Machtergreifung verlangte eine andere Politik
Unter dem Eindruck von Hitlers Machtergreifung am 30. Januar 1933 wurde vielen Arbeiterführern klar, dass die Demokratie nur mit sämtlichen antifaschistischen Kräften verteidigt werden konnte. 1935 beschloss die SPS, die „Diktatur des Proletariats“ aus dem Parteiprogramm zu streichen, gleichzeitig stellte sie sich hinter die Landesverteidigung. Parallel dazu kam es auf gewerkschaftlicher Ebene zum «Friedensabkommen» mit den Arbeitgebern der Metall- und Uhrenindustrie. Dieser Kurswechsel erfasste auch die Arbeitersport- und –kulturvereine. Schon 1936 befürwortete der SATUS die Beteiligung am militärischen Vorunterricht. Die Naturfreunde und die Arbeitersänger/innen stellten sich zwar auch hinter das Prinzip der Landesverteidigung, beharrten aber auf ihrer sozialistischen Identität.

Wie wurde der 1. Mai zum Tag der Arbeiterbewegung?
Der Erste Mai als Tag der Arbeiterbewegung geht auf Arbeitskämpfe in den USA zurück. Am 1. Mai 1886 begannen 400 000 Beschäftigte aus 11 000 Betrieben der USA einen Streik für die Einführung des Achtstundentages. Nur gerade für 20 000 Arbeiter konnte die Forderung durchgesetzt werden, und am Haymarket in Chicago kam es während einer Kundgebung zur Durchsetzung der Arbeitszeitverkürzung zu Todesopfern. Ein Bombenwurf  tötete sieben Polizisten, darauf wurde eine unbekannte Zahl von Demonstrierenden durch Schüsse der Polizei getötet. Die lokalen Behörden zögerten nicht, anarchistische Arbeiterführer zu beschuldigen, für das Attentat verantwortlich zu sein: Vier Anarchisten wurden urz darauf in einem Schauprozess zum Tode verurteilt und hingerichtet. Dass es sich in allen vier Fällen um Justizmord handelte, wurde erst Jahre später zugegeben.
Der «Amerikanische Arbeiterbund» setzte seine 1.-Mai-Kampagne für die Einführung des Achtstundentages unbeirrt fort. Im Jahr 1890, als der Gründungskongress der Zweiten Internationale in Paris den Kampf um den Achtstundentag als internationale Aufgabe bezeichnete, wurde der 1. Mai als «Tag der internationalen Kundgebung» festgelegt.

Quellen:
«Seeländer Volksstimme», 2. Mai 1930.
Schwaar, Karl: Isolation und Integration. Arbeiterkulturbewegung und Arbeiterbewegungskultur in der Schweiz, 1920-1960. Basel / Frankfurt am Main 1993.
 

AutorIn: Christoph Lörtscher
 
 
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