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Archive Bieler Tagblatt / Journal du Jura

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Aufstrebende Uhrenindustrie

Seit dem 16. Jahrhundert hatte sich die Uhrmacherei in der Schweiz von Genf ausgehend, dem Jura entlang, Richtung Nordosten ausgebreitet.
 

Nach der Gründung des Bundesstaates 1848, entwickelten sich das Gebiet um Biel und der südliche Jura zu einer dominierenden Region der schweizerischen Uhrenindustrie. Neben der Tatsache, dass die Uhrenherstellung geringe Transportkosten verursachte und mit Hilfe hydraulischer Energie zu bewerkstelligen war, trugen in Biel die gewährten Steuererleichterungen für zuziehende Uhrmacher viel zum Aufschwung bei.

Ein zweiter Kristallisationskern der aufstrebenden Uhrenindustrie war das jurassische «Vallon de Saint-Imier», wo die Zahl der Uhrenbetriebe in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf annähernd 200 anstieg. Den Grundstein für diesen Aufschwung hatten neuenburgische Uhrmacher gelegt, die 1831 nach der fehlgeschlagenen liberalen Revolution in den südlichen Jura flüchteten und dort das neue Fertigungsverfahren der «Etablissage» installierten. In dessen Rahmen wurden die Einzelteile des Uhrwerks in Heimarbeit arbeitsteilig hergestellt und anschliessend in so genannten «Ateliers d'établissage» zusammengesetzt. Dies bedingte eine Koordination der Produktionsprozesse, die von einem Verleger übernommen wurde. Die «Etablissage» erlaubte der Uhrenindustrie von der Jahrhundertmitte bis 1875 einen rapiden Aufschwung mit jährlichen Wachstumsraten von 6 bis 7%.

Der Erfolg der maschinell produzierten Uhren aus den USA, und die weltweite Wirtschaftskrise 1875, liessen die Nachfrage nach Schweizer Uhren allerdings kurzfristig zusammenbrechen. Die handwerklich orientierte Produktionsweise im traditionellen Verlagssystem stiess an ihre Grenzen, und es begann eine Umstrukturierung, hin zur integralen Fabrikproduktion. In einigen neuen Uhrenfabriken, die im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts in Biel und im südlichen Jura entstanden, war der Produktionsprozess von der Fabrikation der Uhrenbestandteile bis zum Zusammenbau der Uhrwerke unter einem Dach konzentriert; mit dem grösstmöglichen Einsatz von Maschinen wurden dabei grosse Serien gleicher Uhrentypen hergestellt. In der «Assemblage» allerdings, blieb die qualifizierte Handarbeit unentbehrlich. Der Wandel der Ateliers zu Fabriken vollzog sich auch in gewissen Bereichen der Einzelteilherstellung, wobei Werke, Gläser und Zeiger vorwiegend industriell produziert, Steine, Federn und Zifferblätter dagegen weiterhin in Heimarbeit angefertigt wurden.


AutorIn: Daniel Weber
 
 
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