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Archive Bieler Tagblatt / Journal du Jura

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Johann Ludwig Aberli und die schweizerischen Kleinmeister

 
Nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) interessierten sich immer mehr Reisende für die Schweiz. Viele von ihnen hatten „La nouvelle Héloise“ gelesen - die schwärmerische Darstellung und poetische Verklärung der Natur in diesem Werk befeuerte ihre eigene Natursehnsucht und Naturschwärmerei. Damit begann das Zeitalter der Schweizerreisen, zu denen meistens auch Wallfahrten zu den Stätten Rousseaus gehörten.

Die ausländischen Besucher hegten natürlich auch den Wunsch, Ansichten der bereisten Gegenden als Andenken nach Hause zu nehmen, und damit fanden die Werke der Landschaftsmaler reissenden Absatz. Als Reisesouvenirs erschienen Ölgemälde als zu teuer. Die Touristen begnügten sich mit kolorierten oder unkolorierten Zeichnungen und mit Aquarellen. Viele setzten sich zum Ziel, so viele Ansichten wie möglich zu sammeln, um die ganze Reise in Musse und Behaglichkeit wiedererleben zu können.

Angesichts der von Jahr zu Jahr steigenden Nachfrage wurde es den Landschaftsmalern unmöglich, genügend Werke zu liefern. Der Berner Künstler Johann Ludwig Aberli hatte die Beobachtung gemacht, dass die Ansichten einiger bestimmter Gegenden stets von neuem verlangt wurden. Um zu vermeiden, nach einer aufgenommenen Vorlage immer wieder die gleiche Bleistift- oder Federumrisszeichnung wiederholen zu müssen, suchte er nach einem einfacheren Vervielfältigungsverfahren. Es kam aber auch darauf an, die Herstellung zu beschleunigen, und so ersann Aberli auch eine Vereinfachung der farbigen Ausgestaltung. Im Jahr 1766 entstand die „Aberlische Manier“, ein Herstellungsprozess, der zum Fundament der Kunstentwicklung der schweizerischen Kleinmeister wurde.

Aberli fertigte nur die Umrissradierung an, die Abzüge bemalte er wie eine gewöhnliche Zeichnung. Damit die Wirkung der Farbe nicht beeinträchtigt wurde, wurden die Umrisslinien sehr zart gehalten. Zu Aberlis Maltechnik schrieb sein Freund Heinrich Rieter im Jahr 1817: „Seine so berühmt gewordene Methode, Landschaften zu coloriren, war so einfach, dass er sich nie mehr als dreyer Farben dazu bediente. Die Zeichnung wurde zuerst ganz mit guter chinesischer Tusche ausgetuscht; nur die Luft und die hintersten Berge wurden weiss gelassen. War auf diese Weise die Landschaft in Absicht auf den Effect vollendet, so mahlte er die Luft mit Indigo hinein, die Wolken mit Indigo und Tusche; alsdann wurden die gelblichten, röthlichten und bräunlichen Parthien mit einem abwechselnden Gemische von Zinober und Gumigutt leicht gefärbt, und hierauf aus Indigo und Gumigutt die grüne Farbe gemischt, mit welcher die Bäume und alles was einen grünlichen Ton haben musste, überzogen wurden, und so war die Landschaft vollendet.“

Die Nachfrage nach Werken Aberlis oder der übrigen Kleinmeister blieb während Jahrzehnten hoch. Mit der Zeit waren die Kupferplatten abgenutzt, so dass neue radiert werden mussten. Dazu stellte Aberli verschiedene Mitarbeiter an, unter anderem den deutschen Stecher Carl Gottlieb Guttenberg, der für die neuen Auflagen originalgetreue Radierungen herstellte. Nach Aberlis Tod (1786) jedoch wurden seine Bilder in massivem Ausmass kopiert und oft in schlechter Qualität reproduziert. Die wirtschaftliche Bedeutung der Kleinmeister widerspiegelte sich im Umsatz, der mit ihren Werken erzielt wurde. Allein der Auslandsverkauf der kolorierten Umrissradierungen verschaffte der Stadt Bern in den 1770er- und 1780er-Jahren eine jährliche Einnahme von 25 000 bis 30 000 Franken.

Vor allem gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde ein bedeutender Anteil der Landschaftsbilder ähnlich wie in einer Manufaktur ohne jeden künstlerischen Anspruch hergestellt. Der definitive Niedergang und das Ende der Schweizer Kleinmeister wurde ab den 1820er-Jahren durch einen überhitzten Markt, eine Änderung des Geschmacks, die Verlagerung der Tourismusströme und durch das Aufkommen neuer Drucktechniken eingeleitet. Etliche, vor allem deutschstämmige Künstler der Gruppe wie Markus Dinkel, Balthasar Anton Dunker und Marquard Wocher, verarmten oder verelendeten nach 1798.

Die europäische Bedeutung der Kleinmeister beruht darin, dass sie das neuzeitliche Bild von der Schweiz massgeblich mitentwarfen. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Druckgrafik ganz allgemein nach und nach von der Fotografie verdrängt.

Quellen:
Opaschowski H.W. (2002) Tourismus, eine systematische Einführung, Opladen: Leske und Budrich Nicolas R. und Klipstein A. (1926) Die schöne alte Schweiz. die Kunst der Schweizer Kleinmeister, Zürich und Leipzig: Albert Müller Verlag

AutorIn: Christoph Lörtscher
 
 
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Letzte Aktualisierung: 28.07.2015
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