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Archive Bieler Tagblatt / Journal du Jura

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Johann Joseph Hartmann (1752 - 1830)

 
Herkunft und Ausbildung 

Hartmann  wurde am 2. April 1752 in Augsburg geboren, als Sohn des Barons von Hacke und einer verwitweten Gräfin von Thurn und Taxis. Er wurde auf den Namen Joseph Schmitt getauft. Als er elf Jahre alt war, wurden seine Familienpapiere auf Hartmann umgeschrieben. Hartmann wurde lutheranisch erzogen, aber im Jahr 1764 in ein jesuitisches Kollegium in Pont-à-Mousson geschickt, wo er anderthalb Jahre blieb. Später arbeitete der Heranwachsende im Atelier des bekannten Landschaftsmalers Ferdinand Kobell in Mannheim.

Die Jahre in Biel

Als Hartmann im Juli 1776 nach Biel zog, folgte er einer Einladung von Rodolphe de Vautravers, der damals im Dienst des Kurfürsten von der Pfalz stand. Der kunstverständige Herr aus Biel hatte den jungen Maler über den Erfolg der Kleinmeister informiert, deren Landschaftsbilder vom Bielersee und der Petersinsel damals reissenden Absatz fanden. De Vautravers befand sich in diesen Jahren auf dem Höhepunkt seines Einflusses - er war Präsident der Ökonomischen Gesellschaft und hatte soeben das Bieler Burgerrecht erhalten. Sein barocker Landsitz in der Seevorstadt, das Rockhall, war nicht nur ein Zentrum des gesellschaftlichen Lebens, sondern auch der Ort, an dem Jean-Jacques Rousseau mit dem Gastgeber im Mai 1765 einen Blick auf die Alpen genossen hatte. Als sich abzeichnete, dass Hartmann in Biel bleiben wollte, setzte De Vautravers ihn als Verwalter des Rockhall ein. 1777 verheiratete sich der Maler in Aarberg mit Katharina Schnell aus Lindau. Die Ehe blieb kinderlos und endete mit Katharina Schnells Tod im Jahre 1799. Das Paar nahm aber Katharina Schnells Nichte Elise Bauer auf, die später von Hartmann in der Landschaftsmalerei unterrichtet wurde. Ziemlich genau drei Jahre nach seiner Ankunft in Biel musste Hartmann das Rockhall verlassen, das der hoch verschuldete De Vautravers hatte verkaufen müssen. Mit seiner Frau zog er an die Schmiedengasse (heute Haus Untergasse 12).

Seine Landschaftsbilder

Hartmann besuchte zahlreiche Standorte am Bielersee, um möglichst viele geeignete Ansichten der Petersinsel zeichnen zu können. Für seine Landschaftsbilder unternahm er auch Reisen in den Jura, ins Berner Oberland, an den Rheinfall, an den Lauerzersee und an den Genfersee. Aus der Sicht von Werner Bourquin nimmt Hartmanns Werk in der damaligen Landschaftsmalerei eine Sonderstellung ein. „Seine Inselbilder, überhaupt alle seine landschaftlichen Darstellungen, wirken nicht bloss als übermalte Kupferstiche, sondern atmen bereits jene höheren malerischen Werte, welche man sonst nur im Ölgemälde zu finden gewohnt ist. Das Geheimnis dieses technischen Erfolges beruht darin, dass Hartmann seine Blätter nicht wie die Kleinmeister mit verdünnter Wasserfarbe übermalte, sondern zur Kolorierung die dickflüssige Gouachefarbe verwendete, welche es ihm ermöglichte, die zartesten Feinheiten der Lufttöne wiederzugeben. Da ausserdem die Gouachefarbe den Grund bis zur Undurchsichtigkeit deckt, gewahrt zumeist nur das geschulte Auge, dass unter seiner Malerei sich noch ein Kupferstich befindet. Dieses Vorgehen ermöglichte es ihm, seine Blätter als fertige Kupferstiche oder als Gouachemalereien zu verkaufen.“ Bourquin betonte zudem, dass Hartmann jedes Blatt selbst malte und keines gleich wie das andere kolorierte. Erst in vorgerücktem Lebensalter habe er seine Pflegetochter Elisabeth Bauer zur Übermalung seiner Arbeiten herbeigezogen. Nur einen Schritt im Schaffensprozess habe er oft anderen Künstlern überlassen: Die Übertragung der Zeichnung auf die Kupferplatte wurde von Kupferstechern wie Stuntz aus Arlesheim oder Lorieux aus Paris besorgt.

Das Geheimnis seiner Herkunft

Während eines Aufenthalts in Paris im Jahr 1778 erfuhr Hartmann von seiner vornehmen Herkunft- er sei Sohn eines Domherren aus dem Stift Mainz und einer Gräfin von Thurn und Taxis. Mit Hilfe eines Herrn von Haeberlein versuchte der Maler, seine Abstammung anerkennen zu lassen. Doch sein Vater war schon im Jahr 1757 als Malteserritter verstorben, und seine Mutter, Leopoldina Reichsgräfin von Thurn und Taxis, wagte es nicht, sich ganz offen zu dieser Mutterschaft zu bekennen. Hartmann erhielt zwar mehrere durchaus in mütterlichem Ton gehaltene Briefe von der Gräfin, aber keine eindeutige Anerkennung seiner Ansprüche. Die Gräfin verschied im Jahr 1790, ohne dass er sie zu Gesicht bekommen hatte. Kurz darauf begab sich Hartmann nach Frankfurt, um seine Erbansprüche geltend zu machen. Graf Maximilian von Taxis, Hartmanns Halbbruder, gelang es aber, den Maler von der Aussichtslosigkeit seiner Forderungen zu überzeugen. Vom Nachlass der Gräfin in der Höhe von bloss 7000 Gulden erhielt er aber eine Pension von jährlich 270 Gulden. Trotz dieses Zugeständnisses war Hartmann auch künftig gezwungen, den Lebensunterhalt seines Haushalts mit kurzfristig in Auftrag gegebenen Landschaftsbildern zu sichern. Wohl aus diesem Grund ist eine grössere Bestellung Goethes nicht ausgeführt worden.

Lebensabend im Waadtland

Im Jahr 1816 verliess Hartmann Biel, um mit der Familie von Elisabeth Bauer zu leben. Die Nichte seiner Frau hatte den waadtländischen Pfarrer Piquet geheiratet. Mit seinen Verwandten lebte er in Lucens, dann in Chevroux und in Cotterd, wo Hartmann am 8. Dezember 1830 verstarb.

Quellen:
Bourquin, W. und M. (1999). Johann Joseph Hartmann. In: Biel, Stadtgeschichtliches Lexikon, Biel: Büro Cortesi, S. 178-179 Ehrensperger-Katz, I. (2006). Welch vornehmes Haus ist da mit feiner Feder gezeichnet! In: Seebutz 2006, Seite 47

AutorIn: Christoph Lörtscher
 
 
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Letzte Aktualisierung: 28.07.2015
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