Internetportal für historische Dokumente aus der Region Biel, Seeland und Berner Jura.

Unsere zweisprachige Datenbank enthält 7420 Bilder, 413 Filme und 394 Texte.

 
ein Projekt der W. Gassmann AG

» Pensez-donc à rendre une visite à la Mémoire régionale!
 
 
Home
 
Suchen und Finden

Volltext/Suche

Stichwort 1: 
Verknüpfung: und oder
Stichwort 2: 
 
 
» zur erweiterten Suche
 
Benötigen Sie Hilfe bei Ihrer Suche? Erfahren Sie mehr über die freie Suche und werfen Sie einen Blick in unsere Stichwortlisten
Sie befinden sich...
in der gesamten mémreg Datenbank.
Wenn Sie in einem bestimmten Archiv oder einer bestimmten Sammlung suchen wollen, klicken Sie » hier
Suchen und finden
Durchsuchen Sie die mémreg-Datenbank mit frei eingebbaren Stichwörtern oder verwenden Sie die erweiterte Suche. Zur freien und erweiterten Suche gelangen Sie » hier...

Archive Bieler Tagblatt / Journal du Jura

Für Informationen seit 1999 suchen Sie auch in den Archiven des BT und des JJ.

Petinesca

Etwas oberhalb des Dorfes Studen befand sich eine Siedlung der Helvetier, die vermutlich nach einem gewissen Petinius Petinesca genannt wurde. Der Name der Siedlung blieb unter den Römern erhalten, allerdings befand sich das Dorf etwas weiter östlich, direkt an der Römerstrasse. Petinesca durfte gut drei Jahrhunderte lang eine Blütezeit erleben.
 

Petinesca - eine Gründung der Helvetier

Eine bronzezeitliche Feuerstelle beim Waldhaus Studen aus der Zeit um 1000–800 v.Chr. ist bisher das älteste Zeugnis menschlicher Tätigkeit am Jensberg.

In der jüngeren Eisenzeit (Latènezeit), im 2. und 1. Jahrhundert v.Chr., bildete eine imposante, befestigte Höhensiedlung der Helvetier das Zentrum der Region. Seinen Namen – Petinesca – verdankt dieses Oppidum dem mächtigen Petinius, seinem Gründer. Von der 35 ha umschliessenden Befestigung zeichnet sich der westliche Abschlusswall mit Graben, der sogenannte Keltenwall, noch heute markant im Gelände ab.

 

Zahlreiche Funde aus der Zeit des keltischen Oppidums traten beim Bau des Nidau-Büren-Kanals zwischen Port und Schwadernau zutage. Waffen, Geräte und Schmuck wurden vermutlich als Weihegaben dem Fluss übergeben.

 

Der römische Vicus

Der örtliche Kiesabbau zerstörte zwar Teile des Vicus Petinesca, löste aber im ausgehenden 20. Jahrhundert auch umfangreiche archäologische Untersuchungen aus. Diesen Rettungsgrabungen verdanken wir wichtige Erkenntnisse zur römischen Siedlung.

 

Kurz vor der Zeitwende kam das schweizerische Mittelland unter römische Verwaltung. Die Siedlung Petinesca verschob sich bezüglich des keltischen Vorgängers etwas nach Osten, an die am Fuss des Jensbergs durchziehende Fernstrasse. Die einheimische Bevölkerung wurde allmählich romanisiert. Das heisst, sie nahm immer mehr römische Kulturelemente an, etwa beim Hausbau, bei den Geschirrformen und bei den Esssitten.

 

Der Vicus (Dorf) erlebte im 1. Jahrhundert n. Chr. einen kräftigen Wachstumsschub. Das Siedlungsareal des Unter-dorfs wurde in rund 9m breite Parzellen unterteilt. Dicht gedrängt reihten sich vorerst Holzbauten, später Lehmfachwerkhäuser längs der Strasse auf. Erst im Verlaufe des 2. Jahrhunderts begannen sich Steinbauten durchzusetzen, die nun mehrere Parzellen belegten.
Während der Blütezeit lebten im römischen Petinesca rund 2000 Menschen. Die nächsten Ortschaften dieser Grösse waren Salodurum/Solothurn und Brenodurum/Bern-Engehalbinsel). Aventicum/Avenches, der Hauptort der Helvetier, war das nächstgelegene städtische Zentrum.

In den Vicushäusern wurde nicht nur gewohnt, sondern auch gearbeitet und gehandelt. Im Unterdorf waren Töpfer, Schmiede, Bronzegiesser, Gerber und Hornschnitzer am Werk. In der Ebene der Zihl wurde im 1. Jahrhundert n.Chr. -Keramik produziert. Zudem ist hier eine kleine Hafenanlage belegt.

 

Der allmähliche Niedergang des römischen Reiches ab der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts ging auch an Petinesca nicht spurlos vorbei. Häuser wurden aufgegeben und ihre Sodbrunnen für die Entsorgung von Kadavern verwendet. Im Unterdorf begann man mit dem Bau einer Fluchtburg, die aber nie vollendet wurde. Im Verlaufe des 4. Jahrhunderts verliessen auch die letzten Bewohner die einst blühende Ortschaft. In den Jahren 368 und 369 n.Chr., als Petinesca bereits eine «Geisterstadt» war, baute die römische Armee am Zihlübergang zwei mächtige Wehrbauten.

 

Der Tempelbezirk Gumpboden

Über dem Vicus lag ein grosser Tempelbezirk, dessen Ausmasse bei der Grabung 1937 erkennbar wurden. Er verdeutlicht die Wichtigkeit des religiösen Lebens und diente der ganzen Region als zeremonielles Zentrum. Nebst einer Vielzahl römischer Götter verehrte man weiterhin auch keltische Gottheiten.

 

Das Gräberfeld am Keltenweg

Die Toten wurden in römischer Zeit ausserhalb der Siedlung bestattet, oft entlang der Strassen. So wurden seit 1991 an der Strasse Richtung Jura über 50 Gräber – meist Brandbestattungen der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts – entdeckt. Ein grosser Teil des Gräberfeldes ist jedoch dem Bau von Bahn und Autostrasse zum Opfer gefallen.

 

Das Mittelalter

Recht schnell verschlang der Wald die Ruinen von Petinesca. An der Zihl entstand über den Trümmern der östlichen Wehranlage eine Kirche. Kirche und Weiler verdanken ihren Namen «Bürglen» dem römischen burgus. Die Kirche dürfte im frühen 9. Jahrhundert bereits bestanden haben. Ab dem 10. Jahrhundert thronten auf dem Jensberg (Chnebelburg) und am Zihlufer (Guldhubel) zwei Holzburgen der örtlichen Herrschaft. Die Toten bettete man zur letzten Ruhe um eine Kapelle in Bellmund und bei der Kirche Bürglen.

Die Burgherren von Chnebelburg und Guldhubel verliessen ihre Sitze im 13. Jahrhundert und zogen nach Biel oder Nidau. Diese aufstrebenden Städte übernahmen ab dieser Zeit die regionalen Zentrumsfunktionen – der Jensberg fiel in den Dornröschenschlaf.




 

 


AutorIn: Archäologischer Dienst des Kantons Bern
 
 
»zurück
 
Haben Sie noch weitere Informationen zu diesem Text. Oder haben Sie einen Fehler gefunden.
Nehmen Sie mit uns Kontakt auf!
Kontakt aufnehmen
Als PDF herunterladen
» Hier... können Sie diesen Text zum Drucken herunterladen.

Personendossiers

Hanni Schwab (24. 11. 1922 - 2004)

Die Archäologin der 2. Juragewässerkorrektion.

» zu den Personendossiers…
Letzte Aktualisierung: 28.07.2015
Total BesucherInnen: 1036235
application by redmouse
code & design by reziprok
© 2017 by mémreg
» Nutzungsbedingungen

Links