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Archive Bieler Tagblatt / Journal du Jura

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Wenn die Speedmaster sich mit dem Mond trifft

Wie ist diese Armbanduhr von Omega die berühmte "Monduhr" geworden? Wie hat sich dieses anfänglich ohne grosse Ansprüche, eigentlich ganz banale Instrument auf die Stufe eines Vorbildes, einer Referenz, einer Ikone oder gar eines Mythos erheben können? Eines Mythos, der im Oktober 2003 erneut ins Scheinwerferlicht des öffentlichen Interesses geriet, als in Kalifornien die angeblich erste, von Buzz Aldrin am 21. Juli 1969 auf dem Mond getragene Speedmaster auftauchte, die ihm anfangs 1970 gestohlen worden war.
 

Vorerst einige Bemerkungen über das Uhrwerk

Omega brachte 1957 das Modell Speedmaster in den Handel, einen Chronographen mit vorwiegend sportlicher Bestimmung. Die Speedmaster hatte eineTachometer-Skala, die für die Namensgebung bestimmend war. Ihr Werk ist das 1946 von Albert Piguet bei Lémania entwickelte Kaliber 321, das auf dem bemerkenswerten, 1942 entstandenen 27 CHRO C12 basierte, dem ersten Kaliber mit 30-Minutenzähler und 12-Stundenzähler, das bis Ende der 1980er-Jahre das kleinste der Welt blieb. Es handelt sich um ein Kaliber mit Kolonnenrad und einer ganz traditionellen Technologie. Was es jedoch von anderen guten Chronographen unterscheidet, ist die auf ein Mikron genaue industrielle Herstellung der Einzelteile, so dass diese ohne Einpassarbeiten austauschbar waren, was damals noch selten war.
Dazu kommt eine ganze Serie von Bearbeitungseinzelheiten und Funktionsgeheimnissen. Zum Beispiel wurde der Zentrumzeiger mit einem Druck von fünf Kilogramm aufgepresst, so dass er nur mit kräftigen Zeigerhebeln abgehoben werden kann. Schliesslich sorgte eine ganze Reihe von Tests im Ablauf der Montage des Werks und nach dessen Einbau ins Gehäuse dafür, dass es beim Gebrauch des Modells kaum zu Unahnnehmlichkeiten kam.

Weiter einige Worte zu ihrem Gehäuse und ihrer Ästhetik

Die Karosserie der Speedmaster wurde unter der Verantwortung von Pierre Moinat entworfen, der damals Chef der Création Omega war. Es ging darum, einen Chronographen zu schaffen, der nicht mehr einer klassischen Armbanduhr glich, sondern eine typische Instrumentenuhr. Beim Zifferblatt liessen sie sich von den Bordinstrumenten damaliger italienischer Autos leiten, die immer schwarz und sehr gut ablesbar waren. Ihr Pionier- oder Meisterwerk bestand darin, das Zifferblatt von der Tachometer-Skala zu entlasten, indem sie diese auf einer Lunette anordneten. Diese überragte den Gehäuse-Mittelteil und befand sich auf gleicher Höhe der Zentrum-Sekundenzeiger. Das besonders robuste und schwere Stahlgehäuse mit Schraubboden ist garantiert bis zu 60 m Tauchtiefe wasserdicht. Das Werk wird darin nicht mittels Schrauben festgehalten: Der Werkring wird mit einer Art Staubdeckel, "cassolette" genannt, gegen die Gehäusepassung gepresst. Dieser Staubdeckel dient zudem auch als Stossdämpfer.

1963 wird aus diesem anfangs symmetrischen ein leicht asymmetrisches Gehäuse mit Schultern zum Schutz von Krone und Drückern auf der rechten Seite des Mittelteiles. Das etwas plumpe Aussehen der Uhr, in der Art eines Schützenpanzers am Handgelenk, wurde mit leierförmigen Abschrägungen an den Bandanstössen etwas entschärft und eleganter gemacht. Ebenso wurde die Anzeige mit neuen weissen Stab-Leuchtzeigern verbessert. Die letzte wichtige Änderung am Erscheinungsbild stammt aus dem Jahr 1965, als das Zifferblatt mit dem Aufdruck "Professional" versehen wurde. Damit wurde Bezug auf die "Super-Professionals" oder Helden des Weltalls genommen, deren ständiger Begleiter die Uhr geworden ist.

Warum die Speedmaster draussen im Weltraum nicht explodiert

Die Frage wird in der Tat öfters gestellt. Theoretisch könnte das Uhrglas bei der Ankunft auf einer gewissen Höhe im All abgesprengt werden, da zwischen dem mehr oder weniger absoluten Vakuum im All und dem in der Uhr eingeschlossenen, von innen gegen das Glas pressenden atmosphärischen Druck ein erheblicher Druckunterschied entsteht. Es gibt aber kein wirkliches Problem, denn der Innendruck erreicht lediglich einen Wert von ungefähr 7 kg, und das gut eingepasste, mit einem kräftigen Innen-Spannring versehene Glas vermag einem Druckstoss von 5 bar zu widerstehen, also etwa 35 kg.

Es muss hier noch eine wichtige Eigenschaft dieses Glases erwähnt werden. Zuerst wurde es dreidimensional aus Acrylglas ohne Spannungsrisse hergestellt, dann aus einem Hesalitglas von einer Qualität, Dicke und Elastizität, dass es den enormen Temperaturunterschieden im Weltraum standzuhalten vermag.

Ein letzter Hinweis gilt dem Innendruck in der Speedmaster: Dank der perfekten Dichtigkeit des Gehäuses kann er nicht entweichen, so dass das Öl durch Kapillarität an den zugewiesenen Schmierstellen verbleibt und sich nicht über das ganze Werk oder gar bis unter das Glas verteilt. Ein solcher Vorgang würde den Gang der Uhr wegen eines verschmierten Ankers oder eines klebenden Spirals schwerwiegend stören - ganz zu schweigen von der Beeinträchtigung der Ablesbarkeit der Uhr wegen eines undurchsichtig gewordenen Glases.


Eine funktionierende Uhr - im Weltall etwas Unersetzliches

Halten wir einmal fest, dass der grösste Teil der Weltraumaktivitäten in Zeit gemessen werden, in Minuten, Sekunden oder gar Zehntelssekunden. Im Laufe des Mercury-Programmes (1961-1963) unterstrich der damalige Einsatzleiter der Besatzungen, Deke Slayton, dass diese einen Armband-Chronographen brauchten, der auch in einer unfreundlichen Umgebung wie der Mondoberfläche verwendet werden konnte.
Warum denn? Weil ein Astronaut, der sich im All oder auf dem Mond bewegt, genau wissen muss, wie lange er sich ausserhalb seines Raumschiffes aufhält. Denn seine Sauerstoffreserve, das lebenswichtigste Element, wird in Zeit und nicht in Volumen gemessen. Der benötigte Brennstoff für Steuerdüsen wird in Minuten und Sekunden gemessen. Die Ladung der Batterien zur Energieversorgung wird in Zeit gemessen, ebenso die Foto-Belichtungszeiten oder die Hahnen der Brennstoffzellen. Der Astronaut muss auch wissen, in welcher Tag- oder Nachtzeit er lebt.  Die wichtigsten Episoden seiner Aktivitäten werden also durch die ablaufende Zeit bestimmt und gemessen. Auch ein kleiner Fehler könnte unangenehme oder gar katastrophale Folgen haben.
Die Uhr eines Astronauten muss deshalb im leeren Weltraum funktionieren, also die extremsten Variationen von Druck- und Temperaturverhältnissen ertragen können. Was aber an ganz erster Stelle von diesen Armbanduhren verlangt wird, ist die Möglichkeit, mit ihnen Kurzzeit-Messungen ausführen zu können und sie als Stellvertreterin für die Hauptborduhr einzusetzen.

Warum und wie die NASA sich für die Speedmaster entschied

Im Hinblick auf die Raumfahrtprogramme Gemini und Apollo benötigte die NASA für ihre Astronauten also die präziseste, die widerstandsfähigste und am besten ablesbare Uhr, die man sich denken konnte. Um das richtige Modell zu finden, kaufte sie 1962 im grossen Detailgeschäft Corrigan's in Houston zehn Uhrenmodelle, ohne die Herstellerfirmen zu informieren. Nach verschiedenen Tests bleiben 1964 noch sechs Modelle in der Ausscheidung, darunter solche der Herstellerfirmen Hamilton, Longines, Rolex und Omega. Im September des gleichen Jahres lud dann die NASA diese Firmen ein, ihr für die letzte und härteste Testserie je ein Dutzend Uhren zur Verfügung zu stellen. In den elf Tests wurden diese aufgezogenen und eingeschalteten Uhren extremen Belastungen ausgesetzt - so wurden sie während Stunden in einer 93 Grad heissen Flüssigkeit gekocht, um anschliessend ohne Abkühlungsphase bei minus 18 Grad eingefroren zu werden. Oder sie wurden während zwei Tagen in reinen, sehr ätzenden Flüssigsauerstoff eingelegt, um dann zerstörende Beschleunigungen von 40 G aus allen Richtungen aushalten zu müssen. In einer Druckkammer wurden die Uhren schliesslich fünfzehnmal nacheinander einem Wechselbad von Über- und Unterdruck, Vibrationen und Beschallungen ausgesetzt.
Eine so unerbittliche Behandlung verlangte ihre Opfer, und nach Abschluss der Tests zeigte sich, dass nur die Speedmaster von Omega den Belastungen standgehalten hatte. Sie blieb sogar unter der verlagten Gangabweichungs- Toleranz von fünf Sekunden pro Tag.

Das Resultat: Am ersten März 1965 wurde die Speedmaster von der NASA zugelassen und als  Flight qualified by NASA for all Manned Space Missions erklärt. Somit wurde sie den Astronauten Virgil Grissom und John Young übergeben, der Besatzung der ersten bemannten Gemini-Mission, die sich am 23. März 1965 auf ihren Flug begab. Aber ihre wirkliche Stunde der Wahrheit schlug am am 3. Juni des gleichen Jahres, als Edward White sie beim ersten Weltraumspaziergang eines amerikanischen Astronauten am Handgelenk trug. Die Speedmaster zeigte dabei nicht die geringsten Schwächezeichen. Die einzige Veränderung, die sie bei dieser Mission erfuhr, war das lange Velcro-Armband, damit sie über dem dicken Ärmel des Weltraumanzuges getragen werden konnte.

Für Omega war diese Mission vor allem eine Offenbarung - schliesslich hatten die Fotos der Weltöffentlichkeit gezeigt, dass ihre Speedmaster von einem Astronauten getragen wurde. Auf dem Zifferblatt der Speedmaster erschien daher ab Sommer 1965 der Ausdruck "Professional", der auf die Bedeutung ihrer Rolle bei der Eroberung des Weltraums aufmerksam machte.

Warum hatte die Firma so lange warten müssen, um dieses Ereignis in der Werbung nutzen zu können? Es lag vor allem daran, dass damals der wichtigste Konkurrent von Omega auf dem "NASA-Markt" die mächtige amerikanische Marke Bulova war, die vom berühmten General Omar Bradley geführt wurde, einem Helden des Zweiten Weltkriegs. Bulova übte einen beträchtlichen Druck auf die Administrationen der Präsidenten Kennedy und Johnson aus, damit die NASA  - um dem nationalen Stolz Rechnung zu tragen - ihre Astronauten mit amerikanischen Uhren ausrüstete. Glücklicherweise für Omega bleiben diese Anstrengungen erfolglos, und die NASA hielt im Hinblick auf das Apollo-Programm an ihrer ursprünglichen Wahl fest.

"Ein kleiner Schritt für einen Menschen..."

So kam es dazu, dass die Speedmaster am 21. Juli 1969 den aussergewöhnlichsten Augenblick ihrer Existenz erlebte - als Neil Armstrong um 2 Uhr 56 GMT den ersten Fuss auf die Mondoberfläche setzte ("Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein Riesenschritt für die Menschheit"). Mit diesem Moment wurde sie zur "Moon Watch", zur einzigen Uhr, die je auf dem Mond getragen worden ist.

Von jener Jahrhundertnacht seien zwei Anekdoten wiedergegeben:
Der Stillstand der Uhr von Aldrin: Als Millionen von Fernsehzuschauern die Bewegungen der ersten Mondspaziergängern verfolgten, erklärte Aldrin plötzlich: "Ich glaube, meine Uhr ist soeben stehengeblieben!" Den Leuten bei Omega gefror das Blut in den Adern. Glücklicherweise berichtigte der Astronaut sofort: "Nein, es ist nicht wahr, es ist nur der Zentrumzeiger!" Das war ein elektrisierender Alarm! Ein Brief von Donald Slayton vom 18. September 1969 bestätigte, was alle vermutet hatten: Aldrin hatte beim Start der Mission die Chronographen-Funktion eingeschaltet und dann unbeabsichtigt und unbewusst den Stopp-Drücker des Zeigers betätigt. In Wirklichkeit hatte seine Uhr ganz normal funktioniert!

Das fantastische Abenteuer der ersten auf dem Mond getragenen Speedmaster: Buzz Aldrin hat enthüllt, dass kurz nach der Landung auf dem Mond der elektronische Bord-Chronograph des Mondlandemoduls ausgefallen sei. Es sei nicht möglich gewesen, ihn wieder in Gang zu bringen. Deshalb habe Neil Armstrong vor dem Ausstieg seine Uhr an Bord zurückgelassen, gewissermassen als "Reserverad". Somit war die Uhr am Handgelenk von Aldrin die allererste auf dem Mond getragene Uhr. Etwa ein halbes Jahr nach dem Mondflug wurde ihm diese Uhr gestohlen, und sie blieb vorerst verschwunden - wenigstens bis im Jahr 2001. In jenem Jahr verriet der kalifornische Rentner Steve Morley, er habe die Uhr zehn Jahre zuvor für 175 Dollars bei einem Antiquitätenhändler gekauft. Ab Oktober wurde die Speedmaster zum Star vor einem Gericht in San Diego, wo sich die NASA, Aldrin und Morley um ihren Besitz stritten. Am 14. Juli 2004 befand jedoch ein Richter, das Modell sei nicht authentisch - der Fall wurde abgeschlossen...

"Houston, we've had a problem" - die Rettung der Mission Apollo 13

Am 17. April 1970, neun Monate nach der ersten Mondlandung, leistete die Speedmaster eine wichtigen Beitrag zur Rettung der Mission Apollo 13 - um ein Haar hätte diese Mission einen tragischen Verlauf genommen. Nach der Explosion einer Brennstoffzelle mussten die Astronauten wo immer möglich Energie sparen - diese reichte nur noch aus, um die allernotwendigsten Manöver für die Rückkehr der Raumkapsel vorzunehmen. Auch die elektronische Zeitmessung der Kapsel fiel aus diesem Grund aus.  Zur Bestimmung des Einschaltzeitpunkts und der Brenndauer der Raketenmotoren konnte sich die Besatzung also nur noch auf ihre Speedmaster-Armbanduhren verlassen. Die Vorkehrungen für die Rückkehr zur Erde konnten nämlich nur getroffen werden, während sich die Kapsel über der Rückseite des Mondes befand und somit kein Funkkontakt mit der Erde möglich war.
Die notwendige Korrektur der Flugbahn musste innert eines Zeitraums von 14 Sekunden vorgenommen werden, und die Fehlermarge durfte nicht über 10% liegen. Denn beim Eintritt in die Erdatmosphäre hätte ein leicht fehlerhafter Eintrittwinkel dazu geführt, dass das Raumschiff von der obersten Schicht der Atmosphäre abgewiesen worden wäre, um sich mit seiner Besatzung in der unendlichen Leere des Weltalls zu verlieren...

Doch alles ging gut und endete gut! Das entscheidende Manöver wurde mit einer fehlerfreien Zuverlässigkeit ausgeführt. Die Besatzung konnte ihr Fluggerät aus dem Gravitationsfeld des Mondes lösen und wohlbehalten zur Erde zurückkehren. Ein wenig, oder vielleicht vor allem dank Omega. Für diesen wichtigen Beitrag zur Rettung der Apollo 13 wurde der Bieler Uhrenfirma der Snoopy Award verliehen, die höchste Auszeichnung, die von den Astronauten an ihre externen Ausrüster verliehen wird.










 

























In Bearbeitung (wird demnächst fertig übersetzt).


AutorIn: Marco Richon
 
 
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