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Archive Bieler Tagblatt / Journal du Jura

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Hans Mühlestein

 
Am 25. August 1936 berichtete die "Seeländer Volksstimme" vom Auftritt eines wortgewaltigen Mannes im Bieler Volkshaussaal, der seine Zuhörer in Begeisterung versetzte. Es handelte sich um den Dichter, Schriftsteller und Kulturhistoriker Hans Mühlestein, der mit markigen Worten gegen den Putsch des Generals Franco protestierte und zur Solidarität mit der bedrohten Spanischen Republik aufrief. Wenige Wochen später wurde Mühlestein verhaftet und als erster Schweizer wegen seines Engagements für die Spanische Republik von einem Militärgericht in Zürich zu einem Monat Gefängnis verurteilt.

Wissenschaftler und Autor

Mühlestein gehörte zu den bekanntesten Schweizer Linksintellektuellen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Geboren 1887 in Biel als Sohn eines verarmten Uhrmachers, führte ihn sein Bildungshunger in frühen Jahren nach Deutschland, wo er an verschiedenen Universitäten Philosophie und Kulturgeschichte studierte. Er begann sich intensiv mit den Etruskern zu befassen, korrespondierte mit den Dichtern Hermann Hesse und Carl Spitteler und nahm zu politischen Themen wie der Russischen Revolution Stellung. 1933 gab er wegen der Machtergreifung der Nationalsozialisten seinen Lehrstuhl an der Universität Frankfurt auf und kehrte in die Schweiz zurück. Zwei Jahre später verfasste er den Roman "Aurora", über die anarchistische Bewegung in Spanien. Kurz darauf brach dort der Bürgerkrieg aus und Mühlestein widmete all seine Kraft dem Protest gegen General Franco.

Annäherung an die Kommunisten

Nachdem er seine Gefängnisstrafe abgesessen hatte, näherte er sich 1937 der Kommunistischen Partei der Schweiz an. In ihr sah er die einzige Kraft, die sich entschlossen gegen den aufkommenden Faschismus stemmte. Mühlestein wurde zum Herausgeber einer kommunistischen Kulturzeitschrift und verfasste mehrere Studien über die Sowjetunion, die er nach einem längeren Aufenthalt begeistert verehrte. Sein politisches Engagement führte dazu, dass er in der Schweiz zunehmend isoliert wurde. Von der bürgerlichen Mehrheit wurde er trotz seiner Leistungen als Schriftsteller und Wissenschaftler abgelehnt und innerhalb der Kommunistischen Partei galt er als individueller Aussenseiter. Mühlestein zog sich daraufhin zurück und verfasste eine umfassende Studie über den grossen schweizerischen Bauernkrieg von 1653 sowie über Ferdinand Hodler, mit dem er persönlich befreundet gewesen war.

Einzelkämpfer und Idealist

Während des Zweiten Weltkrieges kämpfte Mühlestein gegen die staatliche Repression, die sich besonders stark gegen die Schweizer Linke richtete, und setzte sich für eine breitere Akzeptanz der Sowjetunion ein. 1944 war er an der Gründung der Partei der Arbeit beteiligt, wurde jedoch kurz darauf wieder ausgeschlossen. Danach war Mühlestein politisch nicht mehr aktiv. Er befasste sich wieder mit kulturgeschichtlichen und zunehmend auch naturphilosophischen Themen.  Vom Stalinismus, dem er lange Zeit loyal gegenübergestanden war, distanzierte er sich langsam.
Im Jahr 1969 verstarb Hans Mühlestein in Zürich. Sein Leben lang blieb er ein Aussenseiter und Querdenker, der sich für seine Ideen kompromisslos einsetzte. Mit seinem unbändigen Engagement und Idealismus nahm er es in Kauf, dass sein beachtliches wissenschaftliches und schriftstellerisches Werk an den Rand gedrängt und bis heute weitgehend ignoriert wurde.

Literatur über Hans Mühlestein:

Kuster, Robert: "Hans Mühlestein, Beiträge zu seiner Biografie und zum Roman 'Aurora', Zürich 1984

Möckli, Matthias: "'Volkstribun' und 'marxistischer Nonkonformist'. Das politische Engagement des Schweizer Linksintellektuellen Hans Mühlestein zwischen 1936 und 1943" Lizentiatsarbeit Universität Bern, 2009

AutorIn: Matthias Möckli
 
 
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