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Archive Bieler Tagblatt / Journal du Jura

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Eduard Lanz

 

Eduard Lanz wurde am 23. 4. 1886 in Biel geboren, wo er auch das Progymnasium und das Gymnasium besuchte. Während des Studiums der Architektur an der ETH Zürich (1905-10)  absolvierte Lanz ein Praktikum als Zimmermann in Münchenbuchsee. 1911 bis 1915 arbeitete er bei Georges Chessex und Charles-François Chamorel, in dieser Zeit wurde ihm die Bauleitung bei der Erstellung des Hotel Palace in Lausanne-Ouchy anvertraut. 1916 fand der junge Architekt eine Stelle beim bekannten Architekten Bruno Möhring in Berlin, ein Jahr später wechselte er ins Büro des Werkbund-Mitglieds German Bestelmeyer. 1918 arbeitete Lanz beim städtischen Wohnbauamt in Berlin und widmete sich Fragen des Städtebaus. Die in der Auseinandersetzung mit der Deutschen Gartenstadtbewegung gewonnenen Eindrücke liess er noch im gleichen Jahr in seinen Wettbewerbsbeitrag für den Bebauungsplan der Stadt Biel einfliessen, in dem er eine dezentrale Urbanisierung mit Gartenstädten vorsah. Dieses Projekt traf jedoch zu spät in Biel ein und konnte nicht mehr berücksichtigt werden. 

Im November 1918 wurde Lanz Zeuge der deutschen Novemberrevolution - eine Erfahrung, die ihn in seinem sozialen Engagement und seiner Sympathie für den Sozialismus bestärkte. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz wurde er 1919 bis 1924 Mitarbeiter im Hochbaubüro der SBB in Basel. In diesem Zusammenhang entwarf Lanz die Pläne für die Lokomotivenremise in Biel, deren Bau er leitete. Während dieser Arbeit wohnte er in der Eisenbahnergenossenschaft  "Nidau-Hofmatten" und trat dort am 1. 10. 1922 der sozialdemokratischen Partei bei. Schon im Jahr zuvor, am 26. 3. 1921, hatte er sich mit Dora Paula Grütter verheiratet. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor.

Lanz wirkte fortan hauptsächlich in Biel und Umgebung, 1922-24 machte er sich selbständig. Ein wichtiger Teil seines Schaffens war der Bau günstiger Genossenschaftswohnungen - ein Vorhaben, das von der seit 1921 sozialdemokratisch regierten Stadt Biel gefördert wurde. Bei der Gestaltung der genossenschaftlich organisierten Siedlungen Rennweg, Falbringen, Champagne und Möösliacker konnte der engagierte Architekt viele Ideen des Neuen Bauens und der Gartenstadt einfliessen lassen. Bis gegen das Ende des Zweiten Weltkriegs realisierte er in Biel mehr als 275 Genossenschaftswohnungen.

Sehr wichtig war Lanz' Engagement für die Verbreitung des modernen Bauens - unter anderem war er 1927 Mitinitiator der Ausstellung "Die Stadtanlage in Vergangenheit und Zukunft" in der Bieler Logengassturnhalle. Auch er hat dazu beigetragen, dass die Bieler am 9. 11. 1930 den Sonderbauvorschriften für das neue Bahnhofquartier klar zustimmten.

Im neuen Bahnhofquartier steht das Gebäude, das als sein Hauptwerk gilt: Für die Kunsthistorikerin Dr. Ingrid Ehrensperger war das 1930-32 erbaute neue Volkshaus am Guisanplatz der "überragende (im wörtlichen und im übertragenen Sinn) und populärste Einzelbau der Zwischenkriegszeit in Biel". Lanz erläuterte selbst, warum er den Bau des neuen Volkshauses als ganz besondere Bauaufgabe empfand: "(...) galt es doch einem Mittelpunkt der Bevölkerung Ausdruck und Gestalt zu geben an einem der exponiertesten Plätze der Stadt. Dies bedeutete nicht bloss Ausdruckgeben im formalen Sinne, sondern geschah im persönlichen Miterleben der Ideale, die unsere vergangene Generation zum Kampf um die demokratische Staatsform verpflichteten, heutige und künftige Generationen aus wirtschaftlichem und kulturellem Chaos der Planwirtschaft, der wirklichen Demokratie entgegenführen müssen". In die Gestaltung des mit rotem Klinker eingekleideten neuen Volkshauses sind unter anderem Eindrücke eingeflossen, die Lanz anlässlich von Studienreisen in die grossen Städte des Ruhrgebiets gewonnen hatte.

Weitere Schwerpunkte von Lanz' Engagement als Architekt waren kirchliche Bauten, Spitalbauten und industrielle Bauten. Für die Evangelisch-reformierte Kirche baute er das Wyttenbachhaus (1940-42), ausserdem führte er wiederholt Restaurierungen und Umbauten an der Stadtkirche Biel durch. Er restaurierte auch die Kirchen von Vinelz (1944-53) und von Ligerz (1956-63).
Lanz leitete den Bau des Schwesternhauses der Klinik Bellelay (1949-50), kurz darauf beteiligte er sich am Bau des Westtrakts des Bezirksspitals Biel (1950-52). 1954-57 führte er Umbauten im alten Spital im Pasquart durch.
Die von ihm realisierten industriellen Bauten: Die Velofabrik Cosmos (1924) und die Uhrenfabrik Milus (1958-63).

Neben seiner Berufstätigkeit engagierte sich Lanz in vielfältiger Weise für das Gemeinwesen. Er unterstützte die Kinderfreunde Biel und präsidierte ab 1939 die Seeländer Heimatvereinigung. Ab 1943 engagierte er sich im Altstadtleist, im Heimatschutz und für die Helvetas.

Am 31. 12. 1966 wurde Eduard Lanz mit dem Kulturpreis der Stadt Biel ausgezeichnet. Nach einem überaus aktiven und kreativen Leben verstarb er am 19. November 1972.


Lanz' Publikationen:
"Die Stadtanlage in Vergangenheit und Zukunft" (mit Camille Martin und Felix Villars, 1927)
"Das neue Bieler Volkshaus", 1933
"Zur Baugeschichte des Inselhauses"
"Fünfhundert Jahre Bieler Stadtkirche" (1963, zusammen mit Hans Berchtold)

Zum Weiterlesen:
Eduard Lanz: Das neue Bieler Volkshaus, Bieler Jahrbuch, 1933
Schweizer Baudokumentation, Docu Bulletin 10/11, Okt./Nov. 1984
Sylvain Malfroy: Des alvéoles d'intimité dans un environnement communautaire: Eduard Lanz et le logement coopératif à Bienne, Bieler Jahrbuch, 1995
Julien Steiner: Maison du Peuple versus Hôtel Elite, 2005
Nathalie Ritter: Eduard Lanz - die genossenschaftlichen Siedlungsbauten, Lizentiatsarbeit, 2005

 

 


AutorIn: Christoph Lörtscher
 
 
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